Die Sage Elebors

In den alten Tage gab es eine Zeit, in der die Dunkelheit Besitz ergriffen hatte von den Wäldern Dros Rocks. Es war zu jener Zeit, da der schwarze Ritter, und die ihm folgenden Drow, vertrieben wurden aus der Stammburg Dros Rock. Trotz ihres Endes, hatte die Zeit der dunklen Herrschaft ihre Spuren überall im Land hinterlassen.

 

So begab es sich, dass der Wald von Krankheit befallen war. Allgegenwärtig waren die Gespinste der Spinnen. Es war eben zu dieser Zeit, als ein Waldläufer namens Elebor, von der Not getrieben, sich aufmachte zur Jagd. Es gab nur noch wenig Wild in den Wäldern und die Menschen litten Hunger. Alles Wild, welches nicht den Spinnen oder Drow zum Opfer gefallen war, hatte sich in die wenigen noch gesunden Teile des Waldes zurückgezogen. Elebor ging tief in den Wald, um für sich und seine hungernde Familie etwas zum Jagen zu finden. Doch anstatt zu Jagen wurde er in jener Schicksalnacht selbst zum Gejagten.

 

In der Abenddämmerung, als er mit leeren Händen erschöpft auf dem Heimweg war, trat er unachtsam auf einen Ast. Das laute Knacken verhallte im Wald. Es blieb jedoch nicht ungehört. Ein ganzes Nest voller Schwertspinnen hatte sich, gierig nach Beute, an seine Fersen geheftet und jagte ihn die ganze Nacht über durch den finsteren Wald. Es war bereits im Morgengrauen als Elebor, am Ende seine Kräfte, durch ein dichtes Unterholz brach und sich plötzlich auf einer Lichtung wieder fand. Er wußte, dass dies sein Ende war. Er konnte nicht mehr weiter und so stellte er sich mit gespanntem Bogen seinen Verfolgern. Doch nichts geschah.

 

Erst jetzt wurde er gewahr, dass er am Rande eines Steinkreises stand. Die Steine waren alt und mit Moos bewachsen. Einige von ihnen waren bereits umgefallen, andere standen schief. Er fragte sich, wer diesen Kreis wohl errichtet haben mochte und zu welchem Zweck, als die ersten Sonnenstrahlen des neuen Tages durch die Bäume brachen und ihn blendeten. Das Licht wurde immer heller, bis er nicht anders konnte, als seinen Bogen zu senken und die Hand schützend vor seine Augen zu halten. Inmitten des Steinkreises erstrahlte es und in dem Schein stand eine weiß gekleidete Gestalt.

 

Als sich seine Augen an das Licht gewöhnt hatten, erkannte er eine Frau. Der Wind umspielte ihr Gewand und ihr langes Haar. Auf dem Kopf trug sie das prächtige Geweih eines Hirschen.

 

"Yddrasaye, Herrin des Waldes", keuchte Elebor in Ehrfurcht und ließ sich mit gesenktem Haupt auf die Knie fallen.

 

"Erhebe dich Elebor, Sohn von Arabas", sprach die Gestalt mit sanfter Stimme und er tat wie ihm geheißen.

 

"Ich möchte, dass du etwas für mich tust Elebor", sagte sie zu ihm, nachdem er sich wieder erhoben hatte.

 

"Alles, was Ihr verlangt, Herrin", antwortet Elebor ehrfürchtig.

 

Sie lächelte.

 

"Du weißt doch noch gar nicht, um was ich dich bitten möchte"

 

"Es spielt keine Rolle, Herrin. Ihr habt mein Leben vor den Spinnen gerettet, es gehört nun euch", antwortet Elebor.

 

Yddrasaye nickte mit einem Lächeln, dann wurde ihre Gesicht ernst.

 

"Mein Wald ist krank. Die Dunkelheit hat von ihm Besitz ergriffen.", sagte sie mit trauriger Stimme, "Die Kreaturen der Dunkelheit beanspruchen für sich, was meinen Kindern gehört."

 

Ihr Gesichtsausdruck verfinsterte sich.

 

"Ich möchte, dass du sie in meinen Namen jagst, dass du sie zurück treibst in die dunklen Höhlen, aus denen sie gegkrochen sind. Zeige diesen Kreaturen, wer die Herrin dieses Waldes ist, wem dieser Wald gehört. Ich will, dass du sie für diesen Frevel büßen lässt. Lass sie meinen Zorn spüren!"

 

Die letzten Worte hatte sie voller Zorn donnernd ausgerufen.

 

Während sie noch im Wald wiederhallten, wurde es wieder still auf der Lichtung. Die Gestalt blickte auf Elebor hinab.

 

"Wirst du das für mich tun, Elebor, Sohn von Arabas?", fragte sie ihn leise. Die Traurigkeit war in ihre Stimme zurückgekehrt und ihre Gesichtszüge hatten alle Härte verloren.

 

Elebor senkte sein Haupt und kniete vor ihr nieder. "Ja Herrin, ich verspreche, dass werde ich", antwortete er mit fester Stimme.

 

"Ich danke dir", sagte sie mit sanfter Stimme, "Gehe hin mit meinem Segen. Von diesem Tage an, trage mein Zeichen, als Erinnerung an dein Versprechen und damit sie sehen für wen du streitest. Lehre sie, mich zu fürchten, trage meinen Zorn zu ihnen. Deine Pfeile werden von nun an in ihren Körpern brennen wie Feuer. Treibe sie zurück in die Finsternis."

 

Nach diesen Worten erlosch das gleißende Licht und Elebor ward wieder alleine auf der Lichtung. Er stand auf und sah sich um. Der Morgennebel begann sich vom feuchten Gras zu erheben. Der Wald lag still und dunkel jenseits der Lichtung. Er begann sich bereits zu fragen, ob nicht alles bloß nur ein Traum gewesen sein mochte, als er an sich herab sah und ihm ein Zeichen auffiel, welches silbrig im Licht der ersten Sonnenstrahlen auf seinem ärmlichen Wamst leuchtete. Dies war das Zeichen Yddrasayes, Herrin des Waldes.