Die Sage von Hardric

 

Es begab sich zu der Zeit da Hemdor, Sohn des Enodar herrschte über die Menschen in Dros Rock, das ein Drache hier sein Unwesen trieb.

 

Angezogen von den Schätzen, welche die Menschen und Zwerge der Erde abgerungen hatten ließ dieser sich hier nieder und fortan mußten die Bewohner des Dros Rocks in Angst und Schrecken leben.

 

Tyngildar hieß die riesige Bestie, welche mit ihrem Mark erschütterndem Brüllen die tapfersten Recken in die Flucht schlug. Ihr mit messerscharfen Zähnen bewehrter Schlund war so riesig das sie Ross und Reiter mit einem Bissen verschlingen konnte.

 

Ihren langen geschuppten Körper rollte sie auf einem Berg zusammen und ließ den Blick ihrer bösartrigen, gelben Augen über die Hügel und Wälder schweifen um jedes Stück Gold und jeden Edelstein den er von dort erblickte in seinen Hort zu zerren.

 

Hemdor schickte seine tapfersten und besten Krieger um den Drachen zu erschlagen doch wer nicht vom Feuer Tyngildars verzehrt wurde viel seinen Klauen zum Opfer. Keiner der Ausgesandten kehrte je zurück. Weitere folgten ihnen. Große Kämpfer aus fernen Ländern reisten herbei um den rum zu erlangen, die Bestie niedergestreckt zu haben, doch alle erlitten sie dasselbe Schicksal.

 

Jarl Hemdor saß in seiner Großen Halle und vergrub das Gesicht vor Sorge in den Händen, denn kein Ausweg war ihm bekannt. Wie sollte er sein Volk von diesem Schrecken befreien?

 

Zur gleichen Zeit begab es sich das im Norden des Landes ein Jäger namens Hardric lebte. Er wohnte in einer einsamen Hütte tief im Wald. Der Boden dieser Gegend war überall mit Gras und Moos bedeckt, doch gleich darunter war harter Felsen verborgen. Aus diesem Grund konnten die Menschen hier ihre Tiere weiden, Ackerbau jedoch war ihnen verwehrt. Deshalb wurde die Gegend von ihrem Bewohnern Grüner Fels genannt.

 

Trotz Gefahr vom scharfen Blick des Drachen gefunden zu werden ging Hardric jeden Tag hinaus auf die Jagd und brachte seine Beute zu den Höfen, um die Menschen dort zu versorgen, welche sich vor lauter Angst nicht mehr aus ihren Hütten und Höhlen wagten.

 

Als er eines Morgens durch den Wald pirschte, fand er die Spur eines riesigen Hirschen. Die Fährte führte ihn tief in den Wald hinein. Lange war er unterwges und wollte aschon umkehren, als er schließlich eine Lichtung erreichte, auf welcher die rötlichen Strahlen der aufgehenden Sonne in einem mysthischen Reigen mit den Schwaden des Nebels tanzten. Vorsichtig trat er an dessen Rand und bestaunte was er dort sah.

 

Inmitten all dessen stand eine weibliche Gestalt auf deren Stirn ein Geweih thronte. Der Nebel schien ihr ein Kleid zu sein und die Morgensonne tanzte wie Elmsfeuer um das Gehörn und ließ sie in einem Glanz erstrahlen der keinen Zweifel daran zuließ wer sie war.

 

„Herrin des Waldes,“ rief der Jäger aus und viel auf die Knie, während er gleichzeitig die Spitze seines Speeres zu Boden neigte. Denn groß ist die Macht der Herrin und alle Geschöpfe des Waldes sind ihr Untertan. Sie wacht zwischen Stein und Baum, Moos und Fluss. Die Tiere sind ihr Aug und Ohr, ihr Blut nährt den Boden auf dem alles gedeiht, ihre Hand gewährt den Schutz für alle die ihn erbitten und ihre Macht zerschmettert diejenigen welche nach Bösem trachten in ihrem Reich.

 

Dann sprach sie und ihre Stimme schien das Rauschen des Windes in den Bäumen, das Knacken des Holzes und das Rauschen des Baches gleichzeitig zu sein: “Deine Taten sind ehrenhaft und einem Mutigen Herzen entsprungen, Hardric. Als alle sich vor Furcht verkrochen gingst du hinaus um für sie zu sorgen. Doch dies ist nun nicht mehr genug. Tyngildar verbrennt mein Reich, tötet und frißt meine Kinder und vergiftet das Land mit seinem Atem. Du sollst nun mein Wille und Zorn sein. Gehe und erschlage die Bestie auf das dein Volk und das Land wieder in Frieden erblühen kann.“ Sie streckte den Arm aus und berührte seinen Speer. Das flammende Licht tanzte von ihrem Geweih hinab über den Arm auf die Waffe. Dann sickerte es in Metall und Holz wie Regenwasser in trockenes Moos und ließ es in einem überirdischen Licht pulsieren.

 

Sofort zog er los, gestärkt durch die Kraft der Herrin und machte sich auf die Suche nach dem Ungetier. Lange brauchte er nicht suchen denn die Verwüstung welche dieser hinterlassen hatte wuchs, je näher der ihm kam.

 

Bald erblickte der geübte Waidmann das Biest auf seinem Hügel. Tyngaldirs giftiger Atem hatte alle Pflanzen dort verdorren lassen und das Ungetüm wärmte seinen Körper an dem kahlen erhitzten Fels. Auch wenn er zu ruhen schien, so hatte er den Jäger schon von weitem erblickt, denn selbst im Schlaf wachen Drachen stehts mit einem offenen Auge eifersüchtig über ihren Schatz. Hardric, der dies wußte, näherte sich ihm ganz offen und stellte sich vor ihn hin. „Drache, ich bin hier um dir eine Wahl zu geben. Verlasse diesen Ort und kehre nie zurück. Denn solltest du bleiben oder gar jemals zurück kehren, so wird dies dein Tot sein.“

 

Tyngaldir erhob sein mächtiges Haupt, betrachtete den Menschen genau und sprach: „Ich sehe das du anders bist, als alle vor dir. Dein Speer ist voller Zorn und Macht. Dennoch hast du nicht versucht im Schlafe mein Leben zu nehmen und gabst mir die Wahl. Deshalb gewähre ich dir die Gnade und werde dich nicht mit meinem feurigen Odem vernichten.“ Dann erhob sich Tyngaldir und warf sich auch seinen Gegner. Beide rangen erbittert miteinander. Die Größe und Kraft des Drachen gegen die Gewandtheit und Entschlossenheit des Jägers. Es war ein erbitterter und Gewaltiger Kampf, denn selbst in der Wildheit stand Hardric Tyngaldir in nichts nach. Sie kämpfen den ganzen Tag, doch als dieser sich schließlich dem Ende zuneigte mußte der Drache feststellen das er unterliegen würde. Als er den gewahr wurde brach Tyngaldir sein Versprechen und riss sein Maul weit auf um seinen Gegner mit einem Stoß Drachenfeuer zu vernichten. Doch Hardric erkannte dies, stürzte sich mit dem Speer voran in den Schlund des Ungetüms und schleuderte die Waffe mit aller Kraft in seinen Rachen bis hinunter in sein Herz.

 

Tot Brach Tyngaldir zusammen und Hardric, aus hundert Wunden blutend, lag in dessem Maul, aus welchem das Blut des Ungetüms in Strömen floss. Das Blut von Hardric vermischte sich mit dem Tyngaldirs und die Hitze in seinem Maul verschloß die Wunden. Die Kraft des Speers ließ das Fleisch des Drachens schmelzen bis es so flüssig war wie sein Blut. Es rann den Hügel hinab in ein Moor und bildete dort einen riesigen See.

 

Hemdor welcher den Drachen aus weiter Ferne stehts beobachten ließ erreichte schnell die Kunde seines Todes und so ritt er aus um den Helden zu sehen welcher das Land befreit hatte. Überglücklich das die Geißel des Landes tot war ernannte er Hardric zu seinem ersten Krieger und gab ihm Grüner Fels zum Lehen, auf das er immer gut über die ihm anvertrauten wachen solle, sowie seine Nachkommen nach Ihm.

 

Als das Blut und das geronnene Fleisch des Drachen trockneten war aus dem Sumpf guter fruchtbarer Boden geworden und der Sumpf war verschwunden.

 

Von nun an konnten die Menschen hier Feldfrüchte pflanzen und reiche Ernten einfahren. Hardric nahm die Knochen welche von Tyrgaldir übriggeblieben waren und ließ darauf in der Mitte des Tales eine Halle errichten welche fortan Moorndhal heißen sollte. Von hier aus sollte sein Geschlecht wachen und herrschen über Grüner Fels und seine Bewohner.

 

Das Blut des Drachen verlieh ihm ein langes und gesundes Leben bevor er nach 160 Jahren in starb. In der Schlacht brannte es in seinen Adern und verlieh ihm große Kraft so daß seine Feinde ihn fürchteten. Der Speer jedoch wurde nicht mehr gefunden. Manche Fischer meinen ihn gesehen zu haben tief im Wasser der Weiler welche in den Wäldern von Grüner Fels zu finden sind.

 

 

 

 

 

 

 

Anmerkungen

 

(3. Tag des ersten Mondes 95 n.M., Lilli, Schreiberin und Chronistin des Jarls zu Dros Rock)

 

 

 

Die Sage von Hardric kann zeitlich nicht genau eingeordnet werden. Der Sage nach, soll Hardric 160 Jahre alt geworden sein. Nach der heutigen Zeitrechnung schreiben wir das Jahr 95 nach Mithal. Nach einer Aufzeichnung (Die Chronik von Grontenfels) wird ein Brief genannt der 80-100 vor Mithal vermutet wird. Gleichermaßen wird berichtet, dass Retlec Rams Gefolgsmann 67 n.M. ermordet wurde, da dies deutlich nach dem ersten Niedergang Dros Rocks geschah, müsste der Ursprung der Sage etwa 120-130 vor Mitahl seinen Ursprung haben.